Stammausflug Aargau-Zürich 17. September 2025

Blick hinter die Kulissen von SR Technics

Text und Fotos: Alexander Meier

Wir nutzen das Verkehrsflugzeug, um schöne Reisen zu machen oder um berufliche Aufgaben wahrzunehmen. Der Stamm Aargau/Zürich des MBVC hat den Mitgliedern kürzlich in Kloten die attraktive Gelegenheit geboten, hinter die technischen Kulissen des Flugbetriebes zu blicken. Ein spannender und eindrücklicher Tag in Kloten

Da ist das Gefühl von leicht mulmig – von Flugangst mal abgesehen – wenn wir in ein modernes Verkehrsflugzeug einsteigen, man weiss ja nie. Mit einem überaus illustrativen Ausflug zum Flughafen Zürich-Kloten hat der Stamm Aargau/Zürich dazu beigetragen, Kennnisse und Verständnis für die Zivilluftfahrt und deren Technik zu vertiefen. Doch der Reihe nach.

Nach Eintreffen und Kaffee in einem Restaurant von The Circle marschierten wir quer durch einige Flughafenbereiche, um dann mit einem Elektrobus (aus Daimler Truck Joint Venture) zur riesigen Werft gefahren zu werden. Der Anblick der schönen Jets mit dem weissen Kreuz auf dem Heckruder von ganz nahe war einfach überwältigend.

Wie erwartet durften keine Fotos im technischen Bereich gemacht werden. Der Fokus der Technik-Führung lag bei der Triebwerk-Überholung. Das Triebwerk, also der Motor des Flugzeugs, funktioniert als Turbine und besteht aus Zehntausenden von Einzelteilen. Eine solche Maschine leistet 100’000 Pferdestärken oder mehr und kostet über 10 Millionen Franken pro Stück. Die Branche hat ­eine dynamische Entwicklung zu verzeichnen. Mit besseren Konstruktionen und neuen Materialien wie Composites oder Kevlar wurden die Leistung gesteigert, der Lärm reduziert und last not least die Verbräuche massiv reduziert.

Um die Sicherheit zu gewährleisten – siehe das oben erwähnte mulmige Gefühl – sind die Wartung und deren Intervalle der Triebwerke streng reguliert. So wird die Hauptwelle des Motors nach 15’000 Bewegungen (Starts bzw. Landungen) ausser Betrieb genommen und zerstört. Bestandteile werden minutiös auf Risse untersucht und viele weitere Arbeiten sind zu erledigen. Die revidierten Triebwerke für Drittkunden (nebst Swiss) müssen teilweise mit Lastwagen zum nächsten Frachtflughafen im Ausland gebracht werden, da die not­wendigen Transportflugzeuge die Schweiz nicht anfliegen dürfen. Auf bei SR Technics wird von Fachkräftemangel gesprochen; mit eigener Ausbildung von Lehrlingen und Ergänzungsausbildungen von Berufsleuten kann dem Problem teilweise begegnet werden. Die Einhaltung der vereinbarten Lieferfristen ist für den Geschäftserfolg eine kritische Grösse. Ein grosses eigenes Ersatzteillager unterstützt die Bemühungen.

Die auf dem Flughafen Zürich mit ihrem Hauptsitz ansässige Firma konzentriert sich auf die Überholung von zwei Triebwerkstypen (CFM Joint Venture und Pratt & Whittney), um sich nicht zu verzetteln. Betreut werden weltweit über 500 Kunden mit für den Flugbetrieb anspruchsvollen und sicherheitsrelevanten Dienstleistungen. Anpassungen an die Marktgegebenheiten sind angesagt, wenn neue Triebwerkgenerationen anstehen. Eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem renommierten Hersteller Pratt & Whittney – u.a. für die Arbeiten an einem ganz neuen Triebwerk – soll hier die Basis für die Zukunft stärken. Ein Blick in die Geschichte offenbarte, dass SR Technics als Tochtergesellschaft früher zur Swissair gehört hatte und im Rahmen des tragischen Niedergangs unserer ehemals nationalen Fluggesellschaft verkauft wurde; sie befindet sich heute in chinesischen Händen.

Die Verkehrsfliegerei ist – selbstredend – ein sehr internationales Geschäft. Für alle Beteiligten ist die Regulation wesentlich. Die genaue Dokumentation sämtlicher Arbeitsschritte an den Komponenten bringt viel Administration mit sich, dient aber der Sicherheit (als oberste Priorität in der Fliegerei). Massgebende Aufsichtsstelle für SR Technics ist heute die EU-Agentur EASA und nicht mehr das eidgenössische Bundesamt BAZL. Nach Aussage des Guides hat das seit 2002 bestehende Luftverkehrsabkommen mit der EU auch dafür die Grundlage geschaffen, dass Triebwerkswartung in der Schweiz überhaupt noch machbar ist.

Etwas mehr Geschichte und Nostalgie ergab sich für uns Oldtimer-Liebhaber dann auch noch: Unser Guide war schon Mitarbeiter von Swiss Air Lines, also der Swissair, gewesen und schwärmte von der guten alten Zeit. In einem Verwaltungsgebäude konnten wir sogar zwei Oldtimer bewundern: einen ab 1939 gebauten Doppel-Sternmotor sowie ein frühes Düsentriebwerk aus den 1960ern. 

Weiterführende Informationen finden sich auf der Homepage von SR Technics – auch mit vielen schönen Bildern.

Die Teilnehmenden bedankten sich bei Werner Wismer – der übrigens früher mal bei SR Technics gearbeitet hatte – ganz herzlich für die Organisation des Anlasses. Für die nach 2 1/2 Stunden doch verdiente Verpflegung begab sich die MBVC-Gruppe ins idyllisch gelegene Restaurant Geerlisburg in der Nähe des Flughafens. 

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