Passione Caracciola – per Losglück an eine denkwürdige Rallye

Die vierte Ausgabe dieser renommierten Rallye fand vom 20. bis 24. Juni 2018 statt und führte die Teilnehmer auf einer Reise quer durch die Schweiz – von Genf nach St. Moritz. Fünf Tage Prachtwetter, vier Übernachtungen an absoluten Top-Adressen, drei eigentliche Rallye-Tage mit Fahrten durch wundervolle Landschaften, über zahlreiche Pässe und mit vielen Prüfungen.

Erika & Wolfgang Durrer

Breites Teilnehmerfeld

Eine Übersicht der teilnehmenden Oldtimer bot sich am Nachmittag des 1. Tages am Quai du Mont Blanc im Zentrum von Genf, wo die Teilnehmer empfangen und registriert wurden. Die Präsentation von rund 50 prächtigen Oldies direkt am See sowie die Stände verschiedener Sponsoren fanden grosses Interesse beim Publikum. Es wurde viel posiert und fotografiert, während die Autos vorbereitet, mit Startnummern versehen, Auskünfte erteilt, Kontakte und neue Bekanntschaften geknüpft wurden.

In den zwanziger und dreissiger Jahren galt Rudolf Caracciola als einer der erfolgreichsten und bekanntesten Rennfahrer, der für Mercedes-Benz zahlreiche Titel gewann. Allein beim Klausenrennen, seinerzeit das anspruchsvollste Bergrennen Europas, war er mit sechs Siegen der unangefochtene Spitzenrennfahrer. Bei der zu seinen Ehren organisierten Rallye sind die Mercedes deshalb traditionell stark vertreten. Mit dabei diesmal u. a. je zweimal 300 SL Flügeltürer und Roadster, dreimal 190 SL sowie sieben Pagoden aus den Jahren 1964-70. Zu bewundern gab es weiter Fiat, Aston Martin, Porsche, Triumph, Jaguar, Lancia, BMW, Dodge, Maserati, Citroen und Ferrari. Jahrgangsmässig reichte die Palette der Fahrzeuge von 1937 bis 1980. Die Teilnehmenden kamen aus Italien, Deutschland, Lichtenstein und vor allem aus der Schweiz. Die offizielle Teilnehmerliste der Rallye umfasste 43 Fahrzeuge, wobei die Nummerierung nach dem Alter der Oldtimer erfolgte.

Programm und Ablauf

Vor dem Nachtessen im Hotel Kempinski fand das Drivers‘ Briefing statt mit der Abgabe des umfangreichen Roadbooks für die drei Rallye-Tage. Für jede Etappe Kartenmaterial, Tabellen und Übersichten zu den zahlreichen Prüfungen und natürlich die sauber kilometrierten Streckenangaben. Zur Übernachtung gingen die Teilnehmer anschliessend in die beiden Hotels President Wilson und La Reserve in Genf. Dort erfolgte anderntags auch der Start zur ersten Etappe von Genf nach Interlaken (253 km).

Die Strecke führte zunächst dem Genfersee entlang bis Saint-Prex, um anschliessend auf kleinen Nebenstrassen Lausanne nördlich zu umfahren. Danach durch die Rebberge wieder runter an den See mit der Passage von Vevey und Montreux bis nach Aigle und von dort Richtung Châteaux d’Oex zum Mittagessen. Am Nachmittag fuhren wir durchs Simmental via Boltigen bis zur Panzerpiste in der Nähe von Thun und dann entlang des Thunersees bis nach Interlaken, dem ersten Etappenziel. Dort parkierten wir die Fahrzeuge in der Einstellhalle und logierten feudal im Victoria-Jungfrau Grandhotel & SPA.

Nach dem Frühstück folgte der Start zur zweiten Etappe von Interlaken nach Bad Ragaz (229 km). Die Abfahrt direkt vor dem Hotel war für die vielen, meist japanischen Touristen ein grosses Ereignis. Nach dem Brienzersee und einem Abstecher zum Ballenberg ging‘s auf Schleichpfaden zur Brünig-Passstrasse, durch Sarnen und via Ennetmoos und Stans auf den Bürgenstock. Auf dem komplett erneuerten Bürgenstock Resort genossen wir den Panoramablick auf den Vierwaldstättersee und den Lunch. Am Nachmittag folgten die Passage des Seelisbergtunnels (einziges Stück Autobahn) und anschliessend als besonderer Leckerbissen der Klausenpass, welcher Altdorf und Linthal über den Urnerboden verbindet. Über den Kerenzerberg erreichten wir den Walensee und anschliessend Bad Ragaz als nächstes Etappenziel. Im traditionsreichen Badekurort wurden wir im Grand Resort Bad Ragaz empfangen. Vor dem Dinner kamen wir in den Genuss einer Weinprobe (kommentierte Blinddegustation) mit Paolo Basso, weltbestem Sommelier im Jahr 2013.

Die dritte Etappe führte am Samstag von Bad Ragaz nach St. Moritz (186 km). Über Chur, Bonaduz, Thusis und die wild-romantische Via Mala erreichten wir Andeer mit weiteren Regularity Tests (RT)Schlauchprüfungen Nr. 63-67! Danach über den Splügen nach Italien zum Mittagshalt in Gordona bei Chiavenna. Nach Bewältigung der RT’s Nr. 68-72 im dortigen Boggia Park war Gelegenheit, auf dieser berühmten Outdoor-Kartbahn mit Elektro-Karts im Wettbewerb gegeneinander anzutreten. Am Nachmittag führte die Route durchs Bergell zurück in die Schweiz und über den Malojapass in die herrliche Oberengadiner Seenlandschaft zum Etappenziel St. Moritz. Bevor sämtliche Fahrzeuge auf dem Golfplatz beim Kulm Hotel aufgestellt wurden, galt es bei Celerina die letzten von insgesamt 83 RT’s zu bestehen. Bei einem feinen Apéro rund um die parkierten Oldtimer fand die Rallye vor herrlicher Kulisse ihren Abschluss. Was folgte, war der festliche Galaabend im Hotel Kulm mit Rangverkündigung und Preisverteilung. Mit einer gewissen Wehmut musste der Organisator zum Schluss jedoch bekannt geben, dass künftig auf diese exklusive Rallye verzichtet wird. Die vierte Passione Caracciola war damit gleichzeitig auch die letzte, was Bedauern auslöste. Nach dem Brunch am Sonntagmorgen wurde Abschied genommen und die Teams machten sich zur individuellen Rückfahrt von St. Moritz aus auf den Heimweg.

 

     

Schlussbemerkung

Die Organisation der Rallye, das motivierte Betreuungsteam, die technisch Verantwortlichen, sowie ganz generell die Qualität des Gebotenen verdienen Bestnoten. Als Beispiel sei erwähnt, dass zweimal – in Bad Ragaz und St. Moritz – als kostenloser Service in der Nacht die Fahrzeuge in der Einstellhalle per Handwäsche gereinigt wurden – Luxus pur! Einziger Kritikpunkt aus Teilnehmersicht war die Vielzahl der Gleichmässigkeitsprüfungen. An den drei Rallyetagen gab es an 13 verschiedenen Standorten entlang der Fahrstrecke insgesamt 83 Schlauchprüfungen.

Unser Mercedes 250 SL mit Jahrgang 1967 erhielt die Startnummer 24 zugeteilt und hat sich während der ganzen Fahrt tadellos gehalten. Für uns als Teilnehmer ohne grosse Rallye-Erfahrung war die Platzierung im Mittelfeld (Rang 23 von 43) absolut ok. Mit der Hin- und Rückreise haben wir rund 1‘140 km zurückgelegt. Die Teilnahme an der Passione Caracciola 2018 wurde durch einen Freiplatz ermöglicht, welcher vom MBVC unter seinen Mitgliedern zur Verlosung gelangte. Für diese Chance und das tolle Erlebnis bedanken wir uns herzlich bei Mercedes-Benz Schweiz AG. Wir haben das in vollen Zügen genossen!

Offeriert wurde die kostenlose Teilnahme einem Clubmitglied durch Mercedes-Benz Schweiz AG.
Der Gewinner wurde unter 15 Bewerbern ausgelost.