Berner Ausfahrt 2025

Besuch im Flaschenmuseum – 17. August 2025

Text: Philipp Jaggi / Fotos: Monika Bieri, Marlène Kropfli, Willi Rölli

Die diesjährige Berner Ausfahrt führte vom «Löie» Fraubrunnen durch das Emmental ins luzernische Willisau zum ersten Höhepunkt, dem Besuch des Flaschenmuseums. Nach dem Genuss einer lehrreichen Führung durch den Kurator «Flaschensepp» ging die Fahrt weiter zum «Löie» in Bollodingen, wo der Anlass mit dem kulinarischen und gemütlichen Teil seinen Abschluss fand. Lesen Sie hier, wie unser Club-Mitglied Philipp Jaggi diesen Tag erlebt hat:

«So eine Flasche!»… Nein, dies ist keine Beleidigung, sondern Ausdruck der Bewunderung für ein Highlight der Berner Ausfahrt 2025!

Mitte August war es wieder soweit, die Berner Ausfahrt fand statt, wenn auch nicht mit ganz so hohen Temperaturen, wie letztes Jahr.

José Eichholzer und Hansruedi Koch bescherten den anwesenden Mercedes-Benz Enthusiasten wiederum eine gemütliche, super organisierte Ausfahrt.

Aber was war denn das für ein Start? Für die zahlreichen Cabriolets war’s frühmorgens in Fraubrunnen beim Stammlokal Löwen definitiv die ­falsche Temperatur, brrr…

Die Begrüssung in der Gartenwirtschaft mit den automobilen Lieblingen in Sichtweite ist ja immer wieder ein super Rahmen, aber ein warmer Kaffee half auch.

In bewundernswerter Weise wurden die Stoffdächer trotz drohender, dunkelgrauer Wolken bei Fahrtantritt dann geöffnet, ein Lächeln der Fahrer der geheizten Limousinen und Coupés ignorierend.

Die Motoren wurden dann wohlig warm beim Erklimmen eines schönen kleinen Passes zwischen Wynigen und Mühleweg, das Emmental lockt halt immer mit herrlichen Strecken. Ein wunderschöner Konvoi bahnte sich so seinen Weg ins luzernische Willisau, wo auf einem Schulhausplatz eingeparkt wurde. Was für eine Pracht schon vor dem Besuch des Museums: Ein Stelldichein Kühler an Kühler, Heckflossen neben geradlinigen 80er-Jahre-Hecks. Legendäre «Strich-8»-Coupés neben nicht minder attraktiven W111 Coupés, einfach ein Augenschmaus!

Und wenn der Schreiberling eine Jury wäre, würde er wohl dem bekannten und sympathischen Markus Ackermann mit seinem 300 SL eine Würdigung fürs automobile Lebenswerk aussprechen. Was für eine Pracht eines Autos ist der Mann jahrzehntelang gefahren – und dies nicht etwa zaghaft, was man beim Losfahren an einigen Abzweigungen mit Genuss hören durfte.

Während unserer Fahrt zum Flaschenmuseum verzogen sich die Wolken

Nun, losreissen von den Kostbarkeiten ist die Devise und auf ins Flaschenmuseum. Der Kurator, sinnigerweise genannt «Flaschensepp» und mit ­einer der unkonventionellsten farbigen Haar-Tollen versehen, begrüsste die ganze Gruppe in corpore. Mit Seelenruhe vor neugierigen Menschen sprechen, das kann der Mann sehr wohl (jedenfalls meiner bescheidenen persönlichen Beurteilung als Kursleiter und Moderator nach) – Anekdote an Anekdote, langweilig wurde es nicht.

Mit der Frage beginnend, was eine Flasche ist (ist das nicht ein gläserner Flüssigkeitsbehälter?), belehrte uns Flaschensepp eines anderen, so viele Verwendungszwecke wurden vorgeführt – und nicht immer die offensichtlichsten.

Seltsame Traditionen, wie das Trinken aus einem gläsernen Damenschuh, nahm man mit Schmunzeln zur Kenntnis, den kleinsten und den ältesten Bügelverschluss konnte man bewundern und – huch! – auch Eidechsen und Schlangen in chinesischen Schnapsflaschen, wohl bekomm’s!

Seltsame Facts, wie Flaschen ohne flachen Boden und damalige Erfindungen wie ein Kugelverschluss, liessen uns wirklich staunen. Die meisten hätten wohl auch auf einen englischen Gentleman getippt, sobald der Gründer von Schweppes erwähnt wurde. Falsch: Herr Schweppe, ein deutscher Uhrmacher, war in Genf wohnhaft. Er versetzte Wasser und später auch mit Chinin angereicherte Limonade mit Kohlensäure zur besseren Haltbarkeit. Da war ein Korken an der falschen Adresse, die Kohlensäure trieb diesen heraus, also tüftelte man andere Verschlüsse aus, alles ersichtlich im willisauerischen Flaschenmuseum.

Flaschen in Form von Dampfloks oder in Form eines Automobils namens Duesenberg konnten als kleine Kunstwerke betrachtet werden, aber auch noch so viele Anwendungszwecke, die man sich heute einfach nicht mehr gewohnt ist: Medikamente waren einstmals meistens in Flaschen gelagert (ein Apotheker-Grosslager im Kanton Bern wurde scherzhaft «Gütterli-Bunker» genannt).

So viel farbiges Glas, tausende von exquisiten Parfumflakons, so viele ungewohnte Ausformungen der Flaschen, eine herrliche Sammlung!

Der Vortrag, vielleicht auch die Betrachtung all der schönen Bier-, Limonaden- und Wasserflaschen machte doch auch durstig. Also wiederum die Vierräder geschnappt und Gas Richtung Mittagessen. Über Altbüron ging’s mit den zuverlässigen Sternen wieder ins Bernische, vorbei am Oldtimer-Mekka Bleienbach, Richtung Herzogenbuchsee.

Kurzfristig hatte vor der Ausfahrt die Location gewechselt werden müssen, doch José und Hansruedi prästierten auch dies mit Bravour: Das Motto war ja «Vom Löwen Fraubrunnen zum Löwen ­Thörigen». Die beiden Profis fanden im Löwen ­Bollodingen, der Nachbar-Ortschaft von Bettenhausen, einen mehr als adäquaten Ersatz. Das fand sogar das Wetter eine feine Sache und liess fortan die Sonne scheinen.

Ein herrliches Mittagessen in gewohnt guter Stimmung liess schon fast bedauern, dass danach nur noch die Heimfahrt anvisiert wurde.

Ein grosses Merci den beiden Organisatoren ­José Eichholzer und Hansruedi Koch, aber auch an die beiden Co-Präsidenten Bernhard Kropfli und Christian Haltner, die den guten alten Spirit hochleben liessen und das gemütliche Treffen wunderbar abrundeten. Da freut man sich doch gleich sehr auf die Ausführung 2026!          

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