Berner Ausfahrt 2023

Ein interessanter Rundgang durch Biels Neustadt

Berner Ausfahrt 20. August 2023

Text: Christine Schafer, Fotos: Monika Bieri (5), Hansruedi Koch (1), Gary Massatti (2), Alexander Meier (1)

Anmerkung der Redaktion
Den interessanten Bericht über die Berner Ausfahrt hat Christine Schafer verfasst. Sie vermittelt darin unter anderem viel Wissenswertes über die Bieler Neustadt. Die von ihr in den Text integrierten Wettbewerbsfragen basieren zum Teil auf Informationen, welche den Teilnehmenden durch den Bieler Stadtführer vermittelt wurden. Wenn Sie nicht am Rundgang teilgenommen haben, dürfte die Beantwortung der Fragen deshalb umso spannender sein. Falls Sie es nicht oder nur teilweise schaffen: Die Auflösung finden Sie am Schluss des Artikels. HJH

Der 20. August ist ein heisser und schöner Tag! Wir treffen uns um 7.30 Uhr am Flughafen in ­Grenchen. Ein grosser Teil des auf dem Flughafen stattfindenden Verkehrs besteht aus Airtaxi- und Geschäftsreiseverkehr sowie Flügen für die Förderung des fliegerischen Nachwuchses, Berufspiloten-, Instrumentenflug- und Kaderausbildung.

Frage 1: In welchem Kanton liegt der Flughafen?

Studium des Roadbooks

Bei Kaffee und Gipfeli nehmen wir die schöne ­Broschüre mit den Informationen zur Ausfahrt von Hansruedi Koch entgegen. Es hat angenehme 22–23 Grad! Es nehmen 27 Fahrzeuge teil mit Jahrgängen von 1936 bis 2012. Wir starten um 8.30 Uhr nach Jahrgängen hintereinander zu einer malerischen Fahrt dem Jura entlang. Es ist immer wieder herrlich zu sehen, wie die Leute an den Strassen stehen bleiben und den stattlichen Merdedes-Konvoi bewundern. Die Fahrt führt über Romont–Vauffelin–Frinvillier–Orvin nach Biel.

 

Zentralplatz

In Biel dürfen wir unsere Fahrzeuge auf dem Zentralplatz aufstellen. Dafür hat unser Stadtführer Matthias Grüther gesorgt. Er freut sich über den prominenten Besuch unserer attraktiven Flotte aus Mercedesfahrzeugen. In Biel hat vor Jahrzehnten ein anderer Autohersteller Autos produziert.

Frage 2: Welche berühmte Autofirma hat in Biel produziert?

Herr Grüther startet um 09.30 Uhr seine spannende Führung. Das Thema ist die spezielle Architektur der Neustadt Biel/Bienne, bekannt für ihre Uhrenhersteller wie Rolex und Swatch Group.

Frage 3: Zu wieviel Prozent wird in Biel/Bienne französisch bzw. deutsch gesprochen?

Kongresshaus mit Aussentreppe (oben rechts, mittig Betonwand)

Wir besichtigen auf unserer ArchitekTour zuerst das in den 60er Jahren erbaute Kongresshaus. Kann man im selben Gebäude Hallenbad und Konzertsaal unterbringen? Der Architekt Max Schlup hat diese Kombination nach Vorbildern in Brasilia und New York umgesetzt. Das Dach des Kongresshauses ist gebogen und gleicht mit dieser Bauweise eher einer Hängebrücke. Herr Grüther meinte, die Bieler würden das Gebäude lieben oder hassen, denn es sei eine Ikone mit einigen technischen Mängeln.

Dazu gehört das dahinter liegende Hochhaus mit 15 Stockwerken. Bereits hier sieht man die vielen Fenster, die dem Bauhaus-Stil eigen sind. Denn neben Funktionalität waren Helligkeit und Licht gefragt Am Hochhaus liegt eine Aussentreppe.

Frage 4: Welchen Zweck erfüllt die Aussentreppe am Hochhaus?

Um zu verstehen, welcher Geist damals herrschte, muss man einen kurzen Blick in die Geschichte tun: 1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Bauhaus, das bis 1933 die Moderne in allen Kunstrichtungen beeinflusst hat. Das Bauhaus wurde von den Nationalsozialisten verboten. Die Künstler emigrierten und verbreiteten den Stil international.

Es braucht immer führende Köpfe, die die ­Strömungen vorantreiben. Zu ihnen gehörte der charismatische Bieler Stadtpräsident Guido Müller (amtierte von 1921 bis 1947). Als Sozialdemokrat war er besonders offen für die Anliegen der Arbeiterschaft und für das politische Engagement des neuen Bauens. Er ist hauptverantwortlich dafür, dass das neue Bauen von den Bielern akzeptiert wurde. Unter ihm wurden Bauvorschriften verabschiedet, die auf nur fünf A4-Seiten Platz fanden. So etwas ist heute undenkbar!

Die Häuserzeile an der Güterstrasse zeigt die etwas nüchterne und funktionale Bauweise sehr schön. Typisch sind hier die Fenster der Treppenhäuser ähnlich einem Thermometer. Licht musste rein.

Im neuen Quartier ist auch der Sitz der Fédé­ration Horlogère. Im Jahre 2000 hat die Schweiz ­Luxusuhren im Wert von rund 3 Milliarden Franken exportiert.

Frage 5: Welchen Wert erreichte der Luxusuhren-Export im Jahr 2020?

Eine der typischen «Tramwartehallen»

Sehr speziell sind die Tramhäuser, genannt Tramwartehallen. Sie sind multifunktional: Treffpunkt für einen Schwatz, aufs Tram warten, Schutz vor Wind und Wetter und früher Standort einer Telefonkabine.

Um 11 Uhr bekommen wir von Matthias Grüther ein erfrischendes Getränk offeriert. Er stellt uns noch einen berühmten Bieler Rennfahrer vor: Max Vitesse (Übername). Er bastelte schon früh Seifenkisten und raste mit ihnen vom Twannberg nach Biel hinunter und wurde prompt von der Polizei wegen Geschwindigkeitsübertretung gebüsst.

Auf dem Zentralplatz hat unsere Fahrzeugflotte inzwischen bewundernde Besucher angelockt. Obwohl ich das jüngste Fahrzeug fahre, wurde ich von einem Bieler gefragt, ob ich den Wagen verkaufen wolle. Die Antwort lautete natürlich NEIN!

Wir fahren nun über Schwanden, Rapperswil und Zuzwil über malerische Strassen rund eine Stunde ins Berner Stammlokal Löwen nach Fraubrunnen. Wie? Sind wir im Kanton Bern? Ja, diese Ortsnamen gibt es auch hier, nicht nur in Glarus bzw. St. Gallen. Da die Hitze kontinuierlich steigt, fährt, wer kann, offen.
Wir geniessen unter den schattigen Platanen unser Mittagessen und viel Wasser!

Auf meiner Heimfahrt kletterte mein Thermometer auf 37 Grad. Ein wirklich heisser Tag! Dennoch war er sehr lohnend für uns alle, denn wir haben Biel neu kennengelernt.

MBVC-Präsident ­Gary Massatti ­bedankt sich bei Hansruedi Koch, dem Organisator

 

 

Antworten: 1: Solothurn | 2: General Motors | 3: ca. 57 % deutsch, 43 % französisch | 4: Kunst, kein bestimmter Zweck | 5: 15 Milliarden Franken

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