Frühlingsausfahrt 2017

Immer wieder eine Abwechslung: Man trifft sich nicht an einem Ausfahrts-Startpunkt um loszufahren, nein, diesmal ist der Treffpunkt auch gleich der Ort der Attraktion der diesjährigen Frühlingsausfahrt.

András Széplaky

Die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts grüssen uns in Safenwil AG mit dem einzigartigen, einladenden Charme der Industriebauten aus dieser Zeit. Voller Achtung spüren wir das Alter, das uns signalisiert: Damals hat man nicht nur zweckmässig, sondern auch für das Auge gefällig gebaut. In dieser, in den 20er Jahren durch den Architekten Armin Meili, der 1939 als Direktor der Landesausstellung bekannt wurde, erbauten Textilfabrik ist heute die Classic-Abteilung der 1924 gegründeten Emil Frey AG zu finden. Das Gebäude präsentiert sich aufgefrischt und erweitert durch eine neue, dem Baustil angepassten Eventhalle. Schon der erste Eindruck verrät uns: Emil Freys Herz schlägt englisch. Er wurde ja auch von Königin Elisabeth als grösster «English Car Importer» zum Lord ernannt, und seine Hallen versprühen nichts als englische Eleganz. Die Böden in einem diskreten Ziegelrot, alle Säulen, Lampen und Armaturen in «British Racing Green».

Nach dem geordneten Einparken – unser Organisator Roland Blaser hat mehrere fleissige Helfer – holt uns die Wirklichkeit ein und wir widmen uns Kaffee, Gipfeli sowie weiterem Süssgebäck – nicht zu schweigen von freudigen Begrüssungen nach dem langen Winter. Solchermassen gestärkt und zurück im «normalen» Clubleben, werden wir aufgeklärt darüber, wo wir hier sind: Einerseits durch den Event Koordinator Adrian Senn, andererseits durch einen Kurzfilm, der uns die Entstehung der Emil Frey AG und deren Classic Abteilung aufzeigt. Dann geht es in vier, von kundiger Führung begleiteten Gruppen an die Besichtigung der Sammlung. Auf mehreren Etagen erleben wir den Werdegang des grössten Automobilimporteurs der Schweiz. Zuerst gross geworden mit englischen Autos. Dann in den 60er Jahren erweitert durch japanische Hersteller, allen voran Toyota. Beide Zweige waren Pionierleistungen: Zuerst englische Motorrad-Seitenwagen, dann die daraus entstandenen SS, Jaguars, Rovers und noch viele grosse Marken und schliesslich die damaligen «Exoten» aus Japan. Emil Frey schien unerschrocken und seine Nachfahren treten heute noch mutig in seine Fussstapfen.

     

Wir erfahren die spannende Firmengeschichte des erfolgreichsten Autoimporteurs der Schweiz auch im Detail – äusserst emotional vorgetragen durch einen langjährigen Mitarbeiter der Firma. Emil Frey setzt zuerst ausschliesslich auf englische Fahrzeuge. Diese kommen beim Schweizer Publikum sehr gut an, sind sie doch edel, technisch hochstehend und aufregend im Design. Ein atemberaubend schöner SS (entstanden aus Swallow Sidecar and Coachbuilding Company) – Vorgänger des Jaguars aus der Vorkriegszeit – ist genauso ausgestellt wie der Ur-Land Rover mit dem Kennzeichen UKE 80, den Sir Winston Churchill 1954 zu seinem 80ten Geburtstag geschenkt bekam.

Die Erfolgsgeschichte mit edlen englischen Autos setzt sich fort, doch der Einbruch kommt in den 60er Jahren. Gebeutelt durch Streiks bekunden die englischen Hersteller immer grössere Lieferschwierigkeiten. Emil Frey merkt, es muss etwas geschehen. In dieser Zeit versuchen die Japaner, im europäischen Markt Fuss zu fassen. Emil Frey wird aufmerksam, fliegt nach Japan, verhandelt und ist erfolgreich. Die Engländer widersetzen sich dem Vorhaben zuerst vehement, aber der Schweizer Importeur sitzt am längeren Hebel, sind es doch die Briten, die nicht liefern können. Die letzte Forderung der British Leyland Corporation wird erfüllt: Die japanischen Autos werden in einer separaten Firma vertrieben. Diese sind damals technisch einfach gebaute, verkleinerte Kopien amerikanischer Autos; Starrachse, Blattfedern und Trommelbremsen herrschen vor. Dies selbst beim gefälligen, zweisitzigen Sportcoupé Toyota Celica.

Die japanischen Autos sind jedoch sehr robust, zuverlässig und für ihren Preis überdurchschnittlich reichhaltig ausgestattet. Diese Argumente zählen bei einer breiten Käuferschicht – also wieder einmal eine Erfolgsgeschichte für Emil Frey. Die ersten Exemplare sind in dem Museum zu bewundern, einschliesslich des ersten Toyota Corona und dem 2000 GT, eine gelungene (?) Kopie des Jaguar E-Type.

Ein weiterer Volltreffer gelingt mit dem Import der Subaru Modelle – die günstigen Allrad angetriebenen Ablöser der VW Käfer in der schweizerischen Bergwelt. Heute noch beliebt bei den Wintersportlern – Bernhard Russi lässt grüssen.

     

Die Ausstellung ist öffentlich, für jedermann zugänglich und was wir erzählt bekamen, ist auch auf Schautafeln nachzulesen. JA, liebe Leserinnen und Leser, ihr habt es richtig gemerkt, es ist eine Aufforderung für Jede und Jeden, der an unserer Ausfahrt nicht dabei sein konnte, diese Sammlung in dieser historischen Stätte zu besuchen! Die Ausstellung beherbergt auch eine gemütliche Cafeteria sowie einen Shop mit Automodellen, Accessoires und speziellen Bekleidungsstücken.

Das Losfahren nach dem Geniessen der reichhaltigen Ausstellung erfolgt nach Plan: Zuerst die ältesten Automobile, dann die Alleinfahrer und schliesslich der Rest des Feldes. Die Fahrt führt über wenig bekannte Nebenstrassen durch die Kantone Aargau, Solothurn und Baselland, um wieder im Aargau ins Fricktal zu gelangen, genau gesagt nach Bözen. Etwa 60 km müssen unsere Maschinen bewältigen, zum Teil über anhaltende Steigungen, doch es gibt keinen einzigen Streikenden! Gut gewartet. Bravo! Mensch und Maschine quittieren das sonnige Wetter mit guter Laune.

Im «Söhrenhof» in Bözen, bei der Familie Amsler erleben wir das Kontrastprogramm zum Vormittag: Hans und Christine, sowie ihre Helferinnen und Helfer erwarten uns mit einem reichhaltigen und vielfältigen Buffet – wir lassen die Bilder sprechen. Wir, meist Stadtkinder, geniessen das natürliche Ambiente, streicheln Pferd und Fohlen, bewundern Schweine, Ziegen, Geflügel und allerlei für uns exotische Tiere.

Nach dem reichhaltigen Essen mit anschliessendem Dessert-Buffet, stellt Roland seine besonderen Gäste vor: Erst die neuen Mitglieder, dann den ältesten, über 90 Jahre alten Teilnehmer sowie das Wirte-Ehepaar, das selbst zu Wort kommt. Endlich einmal Landwirte, die nicht jammern! Klar, hat ihnen der Februar-Frost eine Woche Spargelernte vernichtet, die Reben sind, wie die Obstbäume, mehrheitlich für diese Saison zu vergessen. ABER: Wer geschickt diversifiziert, auch auf andere Nischen setzt, wie Honig, Hühnerzucht, Milchproduktion, Restaurationsbetrieb mit Spezialitäten wie hausgemachter Glacé, Sonntagsbrunchs, usw., braucht nicht zu jammern, sondern berichtet, dass harte Arbeit in der Familie mit guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Früchte trägt.

     

Wenn Roland zur Frühlingsausfahrt erscheint, ist das Bild bekannt: Er und Pia steigen aus einem, meist grossvolumigen Mercedes, begleitet durch Doris, eine langjährige Freundin der Beiden. Nun wird das Bild durch eine weitere nette Dame ergänzt, die Roli ebenfalls vorstellt: Sabrina Jauslin. Interessant: Ich kenne sie aus Telefon- und Mail-Verkehr, ist sie doch Assistentin des COO und PR-Verantwortliche der Kestenholz Gruppe, die in unseren Club Nachrichten ganzseitige Inserate platziert. Nun haben wir alle auch ein freundliches Gesicht hinter dieser Funktion!

Die Sonne kommt und wärmt recht kräftig, so können wir für die Heimfahrt die Cabriolet-Dächer öffnen und darüber sinnieren, dass wir am Vormittag Technik-Pur und am Nachmittag Natur-Pur erleben durften.

Für diesen erlebnis- und kontrastreichen Tag danken wir Roland Blaser als Organisator und seinen OK-Mitgliedern Regula Betz und Männi Dettwiler, Jürg Oberle, sowie Sonja und Kurt Schweizer. Diesem Dank schliessen sich über 100 Teilnehmende mit ihren 52 Fahrzeugen an.

Im perfekt bebilderten und informativen Roadbook heisst es: «Danke für die Teilnahme und gute Heimreise – Bis zur MBVC-Frühlingsausfahrt 2018».
JA, wir freuen uns bereits auf die Frühlingsausfahrt 2018!

Weitere Impressionen befinden sich in der Bildergalerie

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